MiFID II: Kennen Sie die Konsequenzen für Ihre Kommunikation?

Die europäische Finanzmarktrichtlinie MiFID II hat beachtliche Auswirkungen für alle Dienstleister im Bereich des Wertpapierhandels. So muss – unter anderem – die gesamte Kunden-Kommunikation aufgezeichnet oder protokolliert werden. Ab dem 3. Januar 2017 sind alle Martkteilnehmer verpflichtet, die Richtlinie anzuwenden.

Die seit 2004 geltende EU-Finanzmarktrichtlinie MiFID (englisch: Markets in Financial Instruments Directive, deutsch: Richtlinie über Märkte für Finanzinstrumente, kurz: Finanzmarktrichtlinie) dient der Harmonisierung der Finanzmärkte im europäischen Binnenmarkt. Beim G20-Gipfel 2009 wurden weitere Maßnahmen beschlossen, die zu einer Neufassung führten. Diese MiFID II trat am 3. Juli 2014 in Kraft. Die EU-Mitgliedsstaaten müssen diese bis zum 3. Juli 2016 umsetzen. Ab dem 3. Januar 2017 muss die MiFID II von allen Marktteilnehmern angewendet werden.

Ziel der Richtlinie ist der verbesserte Anlegerschutz und die Regulierung von Finanzintermediären. Mit alternativen Handelsplattformen – den so genannten Multilateralen Handelssystemen (MTF) – wird der Börsenhandel liberalisiert.

MiFID II verpflichtet Unternehmen, die Dienstleistungen im Wertpapierhandel anbieten, unter anderem dazu, die gesamte Kommunikation mit ihren Kunden aufzuzeichnen (elektronische Kommunikation via E-Mail, Fax und Telefonie) oder zu protokollieren (persönliche Gespräche).

 „Diese Aufzeichnungen sollten gewährleisten, dass die Bedingungen aller von den Kunden erteilten Aufträge und deren Übereinstimmung mit den von den Wertpapierfirmen ausgeführten Geschäften nachgewiesen werden können, und dass     alle Verhaltensweisen aufgedeckt werden, die im Hinblick auf Marktmissbrauch relevant sein können, und zwar auch dann, wenn Firmen für eigene Rechnung Handel treiben.“  (RICHTLINIE 2014/65/EU (57))

Die Aufzeichnungsmöglichkeit muss institutsweit bereitgestellt werden – an allen Arbeitsplätzen, an denen Wertpapierhandel stattfinden könnte. Dies gilt für alle Geräte, die von der Firma zur Verfügung gestellt werden oder deren Nutzung von der Firma gebilligt wurde (-> E-Mail, Fax, Telefon, Mobilfunk!...).

„Um Rechtssicherheit hinsichtlich des Umfangs der Verpflichtung zu schaffen, sollte diese für alle Geräte gelten, die von der Firma zur Verfügung gestellt werden oder deren Nutzung von der Firma gebilligt wurde; gleichzeitig müssen die   Wertpapierfirmen dazu verpflichtet werden, durch angemessene Vorkehrungen   sicherzustellen, dass keine im Privatbesitz befindlichen Geräte im Zusammenhang mit Geschäften verwendet werden.“ (RICHTLINIE 2014/65/EU (57))

Die Umsetzung der Finanzmarktrichtlinie stellt die Banken somit vor viele technische und organisatorische Hindernisse und Herausforderungen, wie...

  • ...die Sprachaufzeichnung an Nebenstellen
    • unterschiedliche Standorte und Telekommunikationssysteme
    • automatische oder manuelle Aufzeichnung
    • zentrale oder dezentrale Speicherung (-> Bandbreite im WAN)
  • ...ggf. die Aufzeichnung von Mobilfunkgesprächen oder HomeOffices
  • ...die Speicherung von Fax- und E-Mail-Dokumenten
  • ...die Zuordnung von gespeicherten Daten zu Vorgängen, Beratungen,  Ordern und Kunden
  • ...die Information der Anrufer und Kunden über die Gesprächsaufzeichnung
    • einmalig per Vertrag oder bei jedem Call
  • ...organisatorische Vorgaben für den Wertpapierbereich
    • beispielsweise keine Nutzung von Handys / Home-Office

Mit Tipps, Best-Practice-Beispielen und der Erfahrung aus einer Vielzahl von Projekten unterstützen Sie Ihre HSP-Fachberater bei der technischen Realisierung und bei allen organisatorischen Fragen rund um MiFID II. Wir freuen uns auf Ihre Anfrage – unter Tel. 0261 95226-0 oder per E-Mail an info@hsp-bg.de


Autor: Dirk Tumbach, 26.05.15

Quellen

RICHTLINIE 2014/65/EU DES EUROPÄISCHEN PARLAMENTS UND DES RATES vom 15. Mai 2014 über Märkte für Finanzinstrumente (12.6.2014)

Fachartikel BaFin: Revision der MiFID: Überblick über die Regelungen der neuen Finanzmarktrichtlinie und -verordnung; Dr. Raoul Jacobs, Moritz Beker / BaFin, 1. August 2014